Jagd

Jagd 2018-01-11T09:13:47+00:00

Jagd

Eine der ältesten Tätigkeiten in der Menschheitsgeschichte war die Jagd. Diente sie doch den wichtigsten Bedürfnissen zum Überleben, nämlich der Ernährung (Fleisch) und Bekleidung (Felle). Später hat man das Wild gezähmt und als Haustier nutzbar gemacht. Erst als das Hirtenvolk (Nomaden) sesshaft geworden ist und den Boden bearbeitete, wurden sie Bauern. In dieser vorgeschichtlichen Zeit war der Bauer frei und ebenso der Jäger.

Dann im Mittelalter war es ausschließlich dem Adel vorbehalten, die Jagd auszuüben. Alles was sich in Feld und Wald bewegte, war ihm eigen. Der Bauer, unfrei, musste als Treiber gehen, da diese Tätigkeit ein Teil der Robotleistung war. Auf Wilddiebstahl standen strenge Strafen.

Die Großväter in der Jagdgesellschaft erinnern sich noch an die Jagd in den „dreißiger Jahren“. Der Wildreichtum war damals noch so groß, dass neben den „Hendljagden“ (Rebhühner) an den Sonntagnachmittagen, der großen Kreisjagd im November, noch auf dem „Anstand“ die Jagd ausgeübt wurde. Diese Erlaubnis wurde nur jagdberechtigten Landwirten, deren Eigenbesitz mindestens 15 Joch war, vom Jagdausschuss unter gewissen Bedingungen erteilt. Der Anstand war nur in der, an das Jagdrevier angrenzende, Au (Andlersdorf, Lob, Orther Au) erlaubt, wobei die Jäger meistens ihre an die Au angrenzenden eigenen Felder vor übermäßigem Wildschaden durch Hasen und Kaninchen schützten. Um Übergriffe zu vermeiden, durfte zum Anstand kein Rucksack getragen werden. Die erlegten Hasen mussten frei getragen werden, so dass eine gegenseitige Kontrolle gegeben war. Die Stückzahl wurde nach dem jeweiligen Wildbestand bewilligt. So begegneten sich die Anstandgeher beim abendlichen Heimgang und kontrollierten sich selbst. Sie wurden aber auch von den Fischern gesehen, die zur Donau wanderten. Man konnte sie leicht unterscheiden, die Fischer trugen einen Rucksack. Fische kann man ja nur im Rucksack tragen, aber der Inhalt des Rucksackes hatte nicht immer Schuppen. Unregelmäßigkeiten wurden dem Jagdausschussleiter, der auch der Bürgermeister war, gemeldet und geahndet. Jäger und Fischer haben aber auch zusammengearbeitet, wenn es galt, die Jagd am anderen Donauufer auszuüben, so weit reichte damals das Mannsdorfer Jagdrevier. Mitte der dreißiger Jahre wurde ein guter Hirsch drüben erlegt, den die Fischer mit ihrer Zille über die Donau ruderten. Dort wurde der Hirsch mittels Streifwagen in Erdelbauers Schlachtbrücke gebracht und zerwirkt. Hochwild-strecke war in den dreißiger Jahren eine Seltenheit, da die Orther Au mit einem Wildzaun umgeben war, der auf dem Schutzdamm bis zum Schönauer Schlitz reichte.

In Mannsdorf hat die Jagd seit jeher eine alte Tradition. Am linken Donauufer ist es das einzige Jagdgebiet, das einen Teil der Donauauen beinhaltet, sich bis zum Donaustrom erstreckt und die beiden großen k. u. k. Forstverwaltungen Eckartsau und Mühlleiten unterbrochen hat.

Um die Jahrhundertwende wurde die erste Jagdgesellschaft in Mannsdorf gegründet. Derzeit wird die Jagdvergabe nach dem NÖ Jagdgesetz vorgenommen, und zwar bilden die Grundeigentümer die Jagdgenossenschaft. Diese wählen einen Jagdausschuss. Dieser verpachtet das Jagdrecht auf 9 Jahre an eine Jagdgesellschaft, die einen Jagdleiter wählt, der die Führung und Organisation innehat.

Das Jagdgebiet hatte eine Größe von ca. 900 ha, eine gute Lage und war umgeben von Wald und Windschutzgürteln, inmitten der Hanfgärten, Pflanzsteig‘n und einigen aufgelassenen Schottergruben: ideale Bedingungen für Niederwild. Durch die Nähe der Donau und Altarme war Wasserwild genug vorhanden. Ebenso hatte auch das Raubwild in den Augebieten eine gute Deckung.

Das Rehwild hatte guten Einstand und Äsung und so wurden alljährlich 25 Stück auf die Decke gelegt. Die hervorragenden klimatischen Voraussetzungen haben immer gute Strecken von Hasen, Fasanen und Rebhühnern erbracht. Hoch- und Schwarzwild kam als Wechselwild im Augebiet (Materialgruben) und Hanfgarten vor.

Der Abschuss von Rotwild wird im Rahmen der Hegegemeinschaft Obere Lobau durchgeführt, wo Mannsdorf einen prozentuellen Anteil hat. In beispielhafter Weise und gutem Einvernehmen wird dortselbst Hege und Abschuss geübt, so dass der Bestand des Rotwildes gesichert und gutes Einverständnis und Zufriedenheit unter den Mitgliedern der Hegegemeinschaft herrscht.

 

„Die Krasjagd“

Im Ablauf eines Jagdjahres war die Abhaltung einer Kreisjagd ein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Höhepunkt. Der Termin war meistens der „Sonntag nach Leopoldi“ und wurde mit den Nachbargemeinden abgestimmt. Es waren ungefähr 40 bis 45 Schützen und ebensoviele Treiber notwendig. Von den Nachbargemeinden wurden jeweils 2 Jäger eingeladen (dies beruhte auf Gegenseitigkeit), außerdem konnte jedes Mitglied der Jagdgesellschaft einen Jagdgast einladen.

Früher, als zwei Gasthäuser in Mannsdorf waren, haben sich die Gastwirte Kirtag und Kreisjagd geteilt und diese wurden alljährlich auch gewechselt. Um 9 Uhr war im jeweiligen Gasthaus Treffpunkt, um 10 Uhr begrüßte der Jagdleiter die Jäger, gab die Einteilung und Ablauf bekannt und was geschossen werden sollte. Anschließend begann das „Ausgehen“. Unsere Kreisjagd bestand aus 5 Trieben und zwar Unteres Feld, Mittleres Feld, Spitzäcker und „Untere Überländ“, sowie „Obere Überländ“ (hier gab es immer die größte Strecke) und Oberes Feld. Nach dem 2. Trieb war immer eine Mittagsrast, wobei der Gastwirt hinauskam und Glühwein, Tee und Wurst zum Kauf anbot. Selbstverständlich gehörte auch der „Hasenwagen“ dazu, wo das Wild auf Stangen zu 10 Stück „aufgehangen“ und abtransportiert wurde. Es war so eine Art überliefertes Recht, dass jeder Jäger einen „Schützenhasen“ verbilligt kaufen konnte. Das übrige Wildbret wurde zu einem günstigen Preis an die Ortsbevölkerung abgegeben. Abends gab es dann beim „Schüsseltrieb“ gemütliches Beisammensein und nicht einmal die Sperrstunde konnte hier ein Ende herbeiführen.

Dann war auch noch die „Neurißjagd“, auch als „Kuchljagd“ bekannt, eine kleine Treibjagd, für die ortsansässigen Jäger, um die Küche mit frischem Wildbret zu versorgen. Um die Weihnachtszeit herum war die Aujagd (Dörfelwörth, Pflanzsteig‘n, Hanfgarten). Hier wurden die einzelnen Böden abgestellt und durchtrieben.

Erwähnenswert ist, dass 1958 das erste Wildschwein und ein kapitaler Hirsch – Zwanzigender mit 9 kg Geweihgewicht – erlegt wurden.

Durch die intensiver werdende Landwirtschaft, hat sich auch die Biotop-Situation verändert, dies wirkt sich vor allem auf das Niederwild stark aus. Das Rebhuhn kann überhaupt nicht mehr bejagt werden, Hase und Fasan sind rückläufig, obwohl mehr an Hegemaßnahmen gesetzt wurden.

Ein weiterer Faktor, der für den Rückgang verantwortlich ist, ist die enorme Zunahme an Raubwild (Füchse, Marder, Dachse, Krähen und Beutegreifer). Mannsdorf hat eine langgezogene Grenze zum 1995 gegründeten Nationalpark, der eine absolute Schonung des Raubwildes durchführt.

Zum anderen werden die Bestände an Schwarzwild mehr, was auf die immer milder werdenden Winter zurückzuführen ist. Auch das Rotwild ist stärker geworden, das nur mehr großräumig durch die Hegegemeinschaft Lobau bzw. Hegegemeinschaft Donauauen bewirtschaftet wird.

In Mannsdorf wurde 2001 ein 24-endiger Rekordhirsch mit einem Geweihgewicht von 13,5 kg von Herrn Matthias Krump erlegt. 

Die Jagd hat heute eine andere Aufgabe bekommen, sie dient nicht mehr vordergründig der Versorgung mit Frischfleisch, sondern es geht um die Erhaltung der Vielfalt auf ein für die Umwelt verträgliches Niveau, sowie den Schutz der Kulturen in der Landwirtschaft.

Die zunehmende Konkurrenz mit vielen Umweltnutzern ist für die Jagd eine weitere Herausforderung geworden, da das Wild dadurch besonders nachtaktiv wurde.

nach Herbert Mayer, Altbürgermeister
und Werner Magoschitz, Jagdleiter